Fachgerechte Versorgung mit Haarersatz / Kritische Punkte einer Perücke:
Auf die richtige Auswahl kommt es an!
Nicht genug, dass eine Krankheit wie Krebs und die damit verbundene Chemotherapie einen Patienten seelisch und körperlich stark belastet, kommt doch häufig noch durch die Therapie verursachter Haarausfall hinzu. Dies bedeutet eine zusätzliche Stressbelastung für den Patienten. Eine fachmännisch erstellte gegenwartsorientierte Perücke kann in diesem Fall eine enorme Hilfe bieten.
Kritische Punkte einer Perücke
- Stirnansätze müssen flach und in die natürliche Wuchsrichtung fallen
- Stirnansätze müssen mit dünnen Haaren beginnen
- Haare dürfen am Ansatz kein Volumen haben
- Durch das Solieren bekommen auch Kunsthaare einen natürlichen Glanz
- Nackenhaare stehen nur dann nicht ab, wenn sie die richtige Länge haben
- Gerade hinter dem Ohr fehlt bei Perücken oft der natürliche Ansatzverlauf
Viele Perückenstudios täuschen nach außen für den Patienten, der hilflos nach einer Perücke sucht ein Fachgeschäft vor, beim Verkauf wird aber nichts anderes getan als eine Perücke ausgesucht, aufgesetzt und fertig ist die Perückenversorgung. Dies ist nicht fachgerecht und somit auch nicht gesetzmäßig. Ein Patient ist ohne wirklich fachmännische Beratung nicht in der Lage die richtige Perücke auszuwählen.
Soliertechnik
Alle Mitglieder des SPFfK, die auf dieser Seite als Ansprechpartner genannt werden, wurden auf die Soliertechnik geschult und müssen sich turnusgemäß weiterbilden und schulen lassen.
Die Soliertechnik gibt die Möglichkeit Frisuren zu erstellen, die genau auf die Persönlichkeit, in Abstimmung mit den technischen Möglichkeiten, passen.
Das Ziel der Spezialisten ist es, nicht nur Haare zu rekonstruieren, sondern einen Haarersatz zu erarbeiten, der die Seele der Patienten von der psychischen Belastung des Haarausfalls befreit. Nur damit ist die therapeutische Wirkung der Perücke gewährleistet.
Selbstverständlich achtet der SPFfK-Spezialist darauf, dass nur Perücken mit dem notwendigen Tragekomfort (keine “Tressen”) verarbeitet werden.
Hochqualitative Kunsthaarperücken können von einem Zweithaarspezialisten, durch zukunftsorientierte Haarschnitte und die Soliertechnik, so bearbeitet werden, dass sie vom natürlichen Haar fast nicht zu unterscheiden sind. Nur durch das Solieren kann das Wunschbild des Kunden nach echtem Haar erreicht werden, und die Haltbarkeit des Zweithaars nur durch fachmännische Pflege 1 bis 1 1/4 Jahr betragen. Es kann nicht angehen, dass Patienten von Krankenkassen eine gute Versorgung bezahlt bekommen, der ausliefernde Friseur aber nicht in der Lage ist, diese Versorgung auch gerecht auszuführen, so dass viele Perücken oft nicht getragen werden. Das ist unsozial gegenüber den Patienten und der Versichertengemeinschaft. Ebenso darf es nicht sein, dass es Krankenkassen gibt, die willkürlich einen Betrag X festsetzen, für den es nur eine Perücke aus der untersten Schublade gibt.
Zum Vergleich:
Eine Interminsperücke (Billigperücke aus dem Kaufhaus) kostet in der billigsten Ausführung 165,- Euro und hat in der Regel eine Tragezeit von 100 Tagen, denn danach wird sie unansehnlich und untragbar. Das sind Kosten von 1,65 Euro pro Tag.
Eine hochwertige Perücke vom Zweithaarspezialisten kostet in der teuersten Versorgung 2300,- Euro, hat aber eine Tragezeit von 1100 Tagen. Das ergibt Kosten von 2,09 Euro pro Tag.
Um den Patienten auch dazu zu erziehen, dass er sorgsam und pfleglich mit dem Haarersatz umgeht, sind wir auch für eine Selbstbeteiligung von 20 oder 30%; nur dadurch erhalten wir eine längere Tragezeit, die sich wiederum günstig auf die Wirtschaftlichkeit des Haarersatzes zum Wohle des Patienten und der Krankenkassen auswirkt.
SPFfK-Beratungsrichtlinien
Diese Richtlinien wurden auf das BSG-Urteil vom 23.07.2002 (Az: B 3 KR 66/01 R) ausgerichtet. Wird trotz ausführlicher Beratung vom Kunden eine Leistung gewünscht, die diesen Richtlinien nicht entspricht (z.B. langes Kunsthaar über die Schulter reichend), sollte um spätere Missverständnisse vorzubeugen das Formblatt – Beratungsrichtlinien – vom Kunden unterzeichnet werden. Nur durch die Einhaltung dieser “Mindestrichtlinien” bekommt der Kunde/Patient ein Preis-Leistungsverhältnis, dass aus seiner Sicht verantwortlich und korrekt und seiner therapiebedürftigen Situation entspricht.
Beratungsrichtlinien Nr. LWH/03
Beratung einer Krebspatientin die bedingt durch eine Chemotherapie ihre Haare verliert und eine fachgerechte Perücke benötigt.
Zielsetzung:
Zielsetzung der Perückenversorgung bei einem Krebspatienten ist:
- Vermeidung von Ausgrenzung
- Steigerung der Lebensqualität
- Steigerung des Selbstwertgefühles
Merkmale der Natürlichkeit
Bei der genauen Beobachtung der Allgemeinbevölkerung durch Mitglieder des SPFfK konnte festgestellt werden, dass 97 % der Bevölkerung sich durch Frisuren auszeichnet, die nachfolgende Merkmale aufweisen:
- Flache Haar-Ansätze
- Keine frisierte (überstylten) Frisuren
- Haare die glatt sind und trotzdem eine Eigenspannung haben
- Natürliche Ansätze, die das Haar bei den Stirn- und Nackenansätzen erst nach ca. 1-2 cm dicht erscheinen lässt
- Haare fallen vom Wirbel nach allen Seiten nach unten und werden erst durch das Frisieren vorübergehend in Form gebracht
Merkmale unnatürlich wirkender Perücken
- Unnatürliche Ansätze, da der Haaransatz sofort dicht ist
- Die Haaransätze sind hochgestellt und bilden bereits Ansatzvolumen
- Es werden Frisuren, die frisiert aussehen als natürlich verkauft
- Die Eigenspannung der Haare ist nach kurzer Zeit unnatürlich, da beim Durchbürsten die Haaransätze glatt gezogen werden
- Nackenhaare stehen ab, Haaransätze im Stirnbereich fallen nicht in den natürlichen Fall, sondern Richtung Stirn und Nase
- Der Glanz der Perückenhaare entspricht keinem natürlichen Glanz, da sie keine Schuppenschicht besitzen
- Bei Blondtönen ist das Haar vom Ansatz bis zur Spitze gleich blond in Gegensatz zum natürlichen Blond, bei dem der Ansatz fast immer einen dunklen Schatten aufweist
- Bei Tressenperücken wirken die Haare, wenn Sie ein paar Mal gekämmt werden, zu Kompakt
- Tressen im Perückenbereich haben ein unangenehmes Tagegefühl (Mützeneffekt + Kratzen)
- Aufsetz-Fertig-Perücken entsprechen zwar einer Frisur, aber nicht der Persönlichkeit des Patienten, da sie sich “fremd” vorkommen. Maximal 2 – 3% der Bevölkerung haben Frisuren, die so überstylt aussehen
- Durch das Reiben und Aufstoßen der Nackenhaare sind Kunsthaarperücken bereis nach kurzer Zeit unansehnlich, da sie Spliss-Erscheinungen aufweisen
Allgemein übliche Vorgehensweise des Perückenverkaufs, den der SPFfK verurteilt
In der Not vor dem drohenden Haarverlust glaubt die Patientin dieses Problem ertragen zu müssen, da der Großteil der Perückenstudios auch nicht weiß und in der Lage ist, eine fachgerechte Perückenbearbeitung vorzunehmen um eine zufriedenstellende Lösung für die Patientin zu erhalten. In den herkömmlichen Perückenstudios geht man davon aus, dass sich die Patientin eine Frisur aussucht, die sie haben möchte – in der gewünschten (oft notgedrungen gewählten) Haarfarbe. Notfalls wird das Haar an der einen oder anderen Stelle etwas kürzer geschnitten und fertig ist die Perückenversorgung. Hier ist anzumerken, dass für diese Art des Perückenverkaufs kein Friseur notwendig ist. Hier werden Haare wie ein Kleidungsstück ausgesucht und behandelt. Krankenkassen sehen oft diese Art der Perückenversorgung als ausreichend an, da sie darin die billigste Versorgung zu erkennen glauben. Beschwerden von Patienten werden ignoriert und abgewiegelt. Der größte Teil dieser Perücken wird zwar gekauft, aber nicht oder nur selten dann auch tatsächlich getragen, weil sich die Patienten oft schlichtweg “fremd” vorkommen und von Freunden oft nicht erkannt werden.
Perückenpflege
Nachdem diese Art von Perückenverkauf nun durch die erwähnten Punkte schon zum Scheitern verurteilt ist, wird als krönender Abschluss dem Kunden noch ein Shampoo verkauft zur “Perückenpflege” mit der Anweisung:
Waschen, ausschütteln, fertig!
Dass diese Perücken danach auch ausgeschüttelt aussehen versteht sich eigentlich von selbst. Perückenverkäufer, die den fachgerechten Verkauf nicht in Mittelpunkt ihres Interesses stellen, können oder wollen dies nicht erkennen.
Bei einer Perückenpflege geht es ja schließlich nicht nur um das Entfernen von Schmutz, sondern um das “Neuformen”, da die Haare eine natürliche und der Persönlichkeit des Kunden angepasste Form wieder zurück bekommen sollen. Den Perückenhaaren muss die “Spannung” wieder zurückgegeben werden, die sie im Laufe der Tragezeit verloren haben. Durch das Ausschütteln verlieren die Haare logischerweise die noch vorhandene Spannung gänzlich.
Es gibt zwei Gründe, warum diese “Pflege”-Aussage von Perückenstudios vorgenommen wird.
- Sie wissen und können es nicht besser.
- Es soll möglichst schnell wieder eine neue Perücke verkauft werden.
Aufbewahren einer Perücke – während der Therapiezeit:
Kurzhaarperücken:
Nehmen Sie eine Wäscheklammer und führen Sie einen langen Faden in die Öffnung der Klammer. Das andere Ende des Fadens hängen Sie an einen Kleiderbügel oder an die Decke, so dass die Wäscheklammer frei nach unten hängen kann. An diese Wäscheklammer befestigen Sie nun mit dem Nackenstück der Perücke die Montur mittig fest.
Der Vorteil dieser Aufbewahrungsart ist, dass die Perücke gut durchlüftet und gleichzeitig die Haare nach unten fallen und locker bleiben.
Langhaarperücken:
Nehmen Sie einen Perückenaufsteller oder eine große Küchenrolle und setzen Sie die Perücke so darüber, dass sich der Hinterkopf auf der höchsten Stelle – also oben – befindet. Dadurch fällt der kurze Ponny nach vorn, ohne dass die langen Haare auf die andere Seite kippen.
Bei dieser Aufbewahrungsart kann die Perücke ebenfalls gut lüften.
Beratungsorientierung
Eine Perückenberatung ist entweder gegenwartsorientiert (wie die Haare vor der Chemotherapie/bei der Beratung aussehen) oder zukunftsorientiert (wie die Haare nach der Chemotherapie sind, wenn die Haare eine Länge von ca. 6 cm erreicht haben). Dies ist ein gewaltiger Unterschied, da man davon ausgeht, dass die Perücke am Ende der Therapiezeit von ca. 1 Jahr noch genauso glaubwürdig und natürlich sein soll wie bei Beginn der Therapie – abgesehen von den normalen Verfallserscheinungen.
Deshalb: Wenn Schnitthaare aus versicherungstechnischen oder anderen Gründen nicht in Betracht kommen, gelten nachfolgende Mindestanforderungen. Diese Mindestanforderungen gewähren dem Patienten eine Qualität an Haarersatz, die notwendig ist, den therapeutischen Nutzen über die gesamte Therapiezeit (1 Jahr) zu erfüllen.
Mindestanforderungen:
- Zukunftsorientierte Perückenversorgung:
Kürzere Haare: können mit einer hochwertigen Kunsthaarqualität durch eine fachgerechte Solierung erstellt werden.
- Gegenwartsorientierte Perückenversorgung:
Halblange Haare: die bis zur Schulter reichen müssen mit einer speziellen Mischung aus hochqualitativem Echt-Kunsthaar (entschupptes Echthaar) bestückt sein um vorzeitige Verschleißerscheinungen vorzubeugen.
Lange Haare: Sollte die Kundin zum Beispiel auf ihren langen Haaren bestehen, weiß man, dass Kunsthaare die über die Schulter gehen oder auf die Schulter aufstoßen, bereits nach 2-3 Monaten wie “verbrannt” aussehen. Ein Verkauf von Kunsthaaren muss durch die schnell eintretenden Verfallserscheinungen und damit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für den Patienten und Krankenkassen unterbleiben.
- glatte Haare:
Bei glattem langen Haare ist bis zu einer Tragezeit von einem Jahr entschupptes Haar zu verarbeiten möglich.
- gewelltes Haar:
Sobald die Haare über die Schultern reichen ist es notwendig, Schnitthaare (mit Schuppenschicht) zu verwenden, da entschuppte Haare ganz schnell stumpf und glanzlos werden und der Druck, der durch die raue Oberfläche der entschuppten Haare beim Bürsten auf den Haaransatz entsteht, das Haar vorzeitig abbrechen lässt. Vom unnatürlichen glatten Aussehen einmal ganz abgesehen. Diese negativen Punkte werden durch Schnitthaare vermieden, nur dadurch können die Vorstellungen der Patientin von langem Haar auch realisiert werden. Nur durch diese Maßnahme erhält die Patientin echte und natürlich aussehende Haare, die sich sehr gut anfühlen und ihren Vorstellungen von Natürlichkeit auch über die ganze Therapiezeit entspricht und sicherstellt.
Positive Trageeigenschaften und Basis der Perückenversorgung
Als wichtigstes Merkmal neben der natürlichen Glaubwürdigkeit der Haare ist das “Wohlbefinden”.
Beispiel Schuhkauf:
Ein Schuh der nur wegen des schönen Aussehens gekauft wurde, bleibt trotzdem im Schrank stehen, wenn er am kleinen Zehe drückt.
Wohlbefinden ist wichtiger als Aussehen!
Es werden keine Maschinen-Tressen verwendet, die auf der Haut liegen (nur maximal für einen anliegenden Nackenbereich).
- Die Kundin muss eine Perückenmontur erhalten, die perfekt passt und die sie als angenehm empfindet. Keine Tresenperücken da das Einheitsgrößen sind.
Es wird versucht, die Perücke durch Gummizüge an die Kopfgröße anzupassen. Die Gummizüge “leiern” nach kurzer Tragezeit aus und die Perücke hat keinen Halt mehr auf dem Kopf. - Bei der bestsitzenden Perücke wird die Farbe gesucht, die dem Hauttyp und dem gewohnten Erscheinungsbild am besten entspricht. Diese beiden Hauptpunkte sind die Grundlage für eine fachgerechte Zweithaarversorgung.
Durch eine spezielle Soliertechnik wird auf dieser Grundlage die typgerechte und auf die persönlichen Wünsche der Kundin ausgerichtete Zweithaarversorgung vorgenommen. Dadurch werden glaubwürdige und natürlich wirkende Haare erstellt, die während der gesamten Therapiezeit eine zufriedenstellende Zweithaarversorgung gewährleistet.
Durch die Soliertechnik wird das Haar so bearbeitet, dass die Haaransätze im natürlichen Fall fallen.
Der unnatürliche Ganz der Haare wird so angepasst, dass er sich von eigenen Haar nicht unterscheidet.
Auch bei Wind, fallen die Haare auf natürliche Weise.
Fertig-Perücken für Krebspatienten untauglich
Aufsetz-Fertig-Perücken für Krebspatienten sind in 97 % der Fälle untauglich, weil sie den Patienten das Recht verwehren, dass ihnen das Bundes-Sozialgericht mit dem Urteil vom 23.07.2002 (Az: B 3 KR 66/01 R) zugesprochen hat.
Der Aufsetz-Fertig-Perückenverkauf ohne “richtige” fachliche Solierung und Präparation ist für den betroffenen Patienten eine Zumutung, weil ihn dort nicht die notwendige Leistung zuteil wird, die er benötigt, damit er die gesamte Therapiezeit so aussieht wie im Urteil des BSG ausdrücklich dargelegt wurde.
Wie sagte die Patientin, die ein Perückenstudio verklagte: “Ich nahm halt unter den hässlichen Perücken die am wenigsten hässliche”.
