
Interview mit Gerhard Ofer – Gründungsmitglied im SPFfK – Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten aus “Neues Haar” 1/2007
Zur Person:
Als Gerhard Ofer 1970 seine Pfälzer Heimat verließ, um Stylist bei einer Perückenmanufaktur bei Köln zu werden, hat er im Traum nicht daran gedacht in 30 Jahren unter den weltweit größten Echthaarproduzenten weltweit zu gehören. Aus dem Studio Ofer (Gründung 1978) entstand 1998 das Unternehmen Haar Vital mit der Absicht aktiver einer breiten Öffentlichkeit seine Produkte anzubieten. Das Stammhaus in Troisdorf besteht heute noch und ist die Schaltzentrale für das gesamte Unternehmen, welches Produktion & Haarveredelung, Großhandel und moderne Zweithaarstudios einschließlich Partnersalons umfasst.
Herr Ofer, warum sind sie dem SPFfK beigetreten?
Um die Bindung vom Produzenten zum Endverbraucher zu suchen, die ich auch immer suchen werde. Bis vor wenigen Monaten habe ich noch selber am Kunden gearbeitet. Ich stehe dem SPFfK bei produktionstechnischen Angelegenheiten mit Rat und Tat zur Seite und bin in dieser Funktion schnell ein gefragter Mann geworden. Außerdem arbeite ich mit meinen hochqualifizierten Kollegen daran, der Allgemeinheit deutlich zu machen, dass das System – Perücke aus Karton raus, aufsetzen, fertig – einfach nicht funktioniert. Gegen diese Art von Perückengeschäft distanzieren wir uns. Der optimalen Zweithaarversorgung legen wir hohe Kriterien in der Perückenbearbeitung und hochklassige Produktionstechniken zugrunde.
Was ist der SPFfK?
Der SPFfK ist ein Zusammenschluss von hochklassigen Fachleuten unserer Branche. Wir sind der Meinung, dass bei der Bezuschussung der Zweithaarversorgung nicht so stark der Preis in den Vordergrund gestellt werden sollte, sondern die fachliche Leistung der Zweithaarspezialisten. Die praktische Arbeit und der Service am Kunden müssen einfach im Vordergrund stehen. Das fällt bei Alopezie-Patienten ganz gravierend ins Gewicht, die dauerhaft auf einen Haarersatz angewiesen sind. Der SPFfK verleiht einmal im Jahr den Fürsorgepreis an eine Krankenkasse, die nach unserer Ansicht ihre Mitglieder in Sachen Zweithaarversorgung optimal unterstützt. Leider wird oft die Zuzahlung nach dem billigsten Angebot festgelegt. Diese angebotenen Billigperücken sind für den medizinischen Bereich absolut nicht geeignet. Erst recht nicht für eine Langzeitversorgung bei Dauerträgern. Fazit: Wir fungieren als Bindeglied zwischen Krankenkassen und Kunden mit Haarproblemen, damit beiden Seiten einen kompetenten Ansprechpartner haben.
Wie erkennt ein Kunde, dass er einen kompetenten Zweithaarspezialisten aufgesucht hat?
Ein Kunde ist ohne fachgerechte Beratung nicht in der Lage den richtigen Haarersatz auszuwählen. Das Beratungsgespräch in vertraulicher Atmosphäre in abgetrennten Kabinen ist Voraussetzung. Es ist immer hilfreich einen kritischen Beobachter mitzunehmen (Freund/in, Familienmitglied). Wenn die Haare schon ausgefallen sind, sollte ein Foto des ursprünglichen Haarzustandes mitgebracht werden. Die Farbe und das Modell werden ausgesucht. Ein kompetenter Zweithaarspezialist verkauft keine fertigen Frisuren. Er muss in der Lage sein „Perückenrohlinge“ so zu bearbeiten, dass diese individuell am Kunden angepasst werden. Einführung in Pflege und Handhabung sind ein Muss. Zu beachten sind auch die verschiedenen Haarlängen, damit die Haarqualität lang erhalten bleibt. Man kann z. B. einer Kundin mit Wunsch auf eine Langhaarperücke keine Kunsthaarperücke verkaufen. Die Perücke ist dann durch die statische Aufladung nach kurzer Tragedauer verschlissen. Ein Perückenpflegeservice sollte ebenfalls angeboten werden. Perückenstudios, in denen beim Verkauf nichts anderes gemacht wird als – Aussuchen, Aufsetzen, Fertig – sollte man meiden.
Herr Ofer, vielen Dank für das Gespräch!
SPFfK
Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten
Frankfurter Straße 5
65339 Hochheim
Tel. Kompetenzzentrum: 0180/5008220
Fax 06146/606924
Internet: www.spffk.de
Email: info@spffk.de
